Der Einfluss von pränatalem mütterlichen Stress auf Entwicklung und Temperament des Säuglings

Entsprechend dem Konzept der Fötalen Programmierung wirkt sich pränataler Stress nachhaltig auf die Gesundheit des Kindes aus. Die Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse wird als eine mediierende (vermittelnde) Struktur angenommen, über welche sich mütterlicher Stress in der intrauterinen Umwelt auf den Fötus auswirkt.

 

In einer vorliegenden Studie wurde an 46 Mutter-Kind-Paaren die berichtete mütterliche Stressbelastung und Kortisolausschüttung während der Schwangerschaft erfasst. Im Alter von fünf Monaten wurden das frühkindliche Temperament sowie die motorische und kognitive Entwicklung der Säuglinge untersucht. Säuglinge von Müttern mit höherer pränataler Stressbelastung zeigten erwartungsgemäß ein schwierigeres Temperament, jedoch erwartungskonträr eine bessere motorische Entwicklung. Ein schwierigeres Temperament des Säuglings stellt einen Risikofaktor für eine frühe Störung der Mutter-Kind-Interaktion dar. Frühe Präventionsmaßnahmen könnten helfen, dieses Risiko zu minimieren und Schutzfaktoren zu etablieren.

 

(Institut für Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie, 
Universitätsklinikum Schleswig-Holsteiin - Kindheit und Entwicklung Hogrefe Verlag 2013)

Eintrag erstellt am 01.08.2015 H. Binninger